Nur wenige Beschallungssysteme haben einen so legendären Status erlangt wie die „Wall of Sound“ der Grateful Dead. Sie wurde 1974 vorgestellt und war das Ergebnis jahrelanger Experimente der Band und ihres Technik-Teams, mit denen die Live-Beschallungstechnik weit über die damaligen Standards hinaus weiterentwickelt wurde.
Die „Wall of Sound“ bestand aus Hunderten von Lautsprechern und Dutzenden von Verstärkern, die in mehreren unabhängigen Teilsystemen angeordnet waren. Im Gegensatz zu herkömmlichen Links-Rechts-PA-Systemen wurden einzelne Instrumente und Gesangsstimmen auf dedizierte Lautsprecher-Arrays geleitet. Dieses ungewöhnliche Design zielte darauf ab, die Klangklarheit zu verbessern, Intermodulationsverzerrungen zu reduzieren und eine gleichbleibende Klangqualität für große Open-Air-Publikumsmengen zu gewährleisten.
Trotz ihres legendären Rufs wurde die tatsächliche akustische Leistungsfähigkeit der „Wall of Sound“ nie umfassend dokumentiert. Das Wissen über das System stützt sich größtenteils auf historische Berichte, Fotografien und persönliche Schilderungen. Es liegen keine modernen akustischen Messdaten vor, und viele technische Details wurden nie in einer Form festgehalten, die eine detaillierte Simulation ermöglicht hätte.
Die Abschlussarbeit von Lutz Baumann untersucht, ob sich die „Wall of Sound“ mithilfe moderner Verfahren der akustischen Modellierung und Auralisierung rekonstruieren lässt und ob ihre einzigartigen akustischen Eigenschaften für heutige Hörer erfahrbar gemacht werden können.
