Mit mehr als 250 Teilnehmenden aus Wissenschaft, Verwaltung, Planung und Landschaftsarchitektur war das Symposium „Berliner Klimaanpassungsgesetz im Praxistest“ am 25. Juni 2026 an der Berliner Hochschule für Technik (BHT) ein großer Erfolg. Gemeinsam mit dem Bund Deutscher Landschaftsarchitekt (bdla), Landesverband Berlin-Brandenburg, veranstaltete die BHT eine der bislang größten Fachveranstaltungen zum neuen Berliner Klimaanpassungsgesetz. Organisiert wurde die Tagung u.a. durch den bdla in Zusammenarbeit mit der Professur für Urbanen Raum und Landschaft von Prof. Dr. Jens Lüdeke.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Herausforderungen bei der praktischen Umsetzung des Berliner Klimaanpassungsgesetzes. Dieses sieht unter anderem eine deutliche Ausweitung des Stadtgrüns mit bis zu 600.000 zusätzlichen Bäumen, den Ausbau der blau-grünen Infrastruktur sowie weitreichende Maßnahmen zur Anpassung Berlins an die Folgen des Klimawandels vor. Diskutiert wurden insbesondere Fragen geeigneter Baumstandorte, der Finanzierung, der personellen Ausstattung der Verwaltungen sowie neuer Planungs- und Umsetzungsstrategien.
Eröffnet wurde die Tagung von BHT-Präsidentin Dr. Julia Neuhaus, der Vorsitzenden des bdla Berlin-Brandenburg Lioba Lissner sowie Tobias Dierks vom Baumentscheid e. V. Bereits zu Beginn wurde deutlich, dass die Umsetzung des Berliner Klimaanpassungsgesetzes nur durch ein enges Zusammenspiel von Wissenschaft, Verwaltung, Planung, Politik und ausführender Praxis gelingen kann.
Im ersten Fachpanel standen die Anforderungen an urbane Baumstandorte im Mittelpunkt. Thomas Amtage (Büro Amtage) zeigte auf, welche Anforderungen klimaresiliente Baumstandorte künftig erfüllen müssen und welche planerischen Konsequenzen sich daraus ergeben. Anschließend stellten Jochen Flenker und Tyco Cote vom Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf Erfahrungen aus der Berliner Verwaltung vor. Die anschließende Diskussion wurde durch Hanno Leight von der Baumschule Lorberg bereichert, der die Perspektive der Baumschulwirtschaft einbrachte und auf die Herausforderungen bei der Bereitstellung geeigneter klimaresilienter Gehölze aufmerksam machte.
Das zweite Panel, moderiert von Prof. Dr. Jens Lüdeke, widmete sich der blau-grünen Infrastruktur und dem Umbau der Stadt. Lisa Junghans, Leiterin der Berliner Regenwasseragentur, erläuterte die Bedeutung einer integrierten Regenwasserbewirtschaftung für eine klimaangepasste Stadtentwicklung. Dr. Carlo Becker (bgmr) zeigte anhand seines Vortrags „Lebensadern der Stadt: Leitungen und Baumwurzeln“, wie technische Infrastruktur und Stadtgrün künftig besser aufeinander abgestimmt werden können. Die wissenschaftliche Einordnung erfolgte durch Prof. Dr. Antje Backhaus von der Leibniz Universität Hannover.
Im dritten Panel standen die langfristige Entwicklung des urbanen Grüns und kommunale Erfahrungen im Mittelpunkt. Felix Weisbrich, Leiter des Berliner Landesforstamtes und zugleich beim SenMVKU für den Baumentscheid zuständig, stellte die Auswirkungen des Klimawandels auf das Berliner Stadtgrün dar und zeigte Strategien für einen resilienten Stadtbaumbestand auf. Oliver Hoch erläuterte die Perspektive des Fachverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Berlin und Brandenburg und ging auf die Entwicklungsfähigkeit des Stadtgrüns der Zukunft ein. Internationale Impulse setzte Stefan Stevanovic von der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, der erfolgreiche Ansätze aus der Schweiz und anderen Kommunen vorstellte und deren Übertragbarkeit auf deutsche Städte diskutierte. Ergänzt wurde das Panel durch Martin Beck (Technische Betriebe Remscheid), der kommunale Erfahrungen zur strategischen Stadtbaumplanung präsentierte.
Den Abschluss bildete eine Podiumsdiskussion unter der Moderation von Lioba Lissner, an der sich Referentinnen und Referenten aller Panels sowie zahlreiche Teilnehmende aus dem Publikum beteiligten. Im Mittelpunkt standen die Fragen, wie die ambitionierten Ziele des Berliner Klimaanpassungsgesetzes umgesetzt werden können, welche personellen und finanziellen Voraussetzungen hierfür geschaffen werden müssen und welche Rolle Wissenschaft, Kommunen, Verbände und die grüne Branche künftig übernehmen. Die intensive Diskussion zeigte eindrucksvoll das große Interesse an einer engen Zusammenarbeit aller Akteure.
Mit der erfolgreichen Veranstaltung unterstreicht die Berliner Hochschule für Technik ihre wachsende Bedeutung als Forschungs- und Transferstandort für klimaangepasste Stadtentwicklung. Die Professur für Urbanen Raum und Landschaft wird die Themen gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft, Verwaltung und Praxis weiter vorantreiben. Geplant ist unter anderem ein größeres Forschungsprojekt zur wissenschaftlichen Begleitung der Umsetzung des Berliner Klimaanpassungsgesetzes, das gemeinsam mit dem Baumentscheid e. V. entwickelt wird. Das Symposium hat hierfür wichtige Impulse gesetzt und neue Kooperationen angestoßen.
Weitere Informationen zum Programm finden Sie im Flyer zur Veranstaltung.
